Protest gegen die A 143

19 04 2011

MZ, 19.04.11

VON MICHAEL TEMPEL

Der Warschauer Pakt und das Wettrüsten sind längst Geschichte. Doch jetzt rüsten die Umweltschützer im Saalekreis – zumindest verbal – auf. Sie wollen die Tradition der Friedensbewegung und ihrer berühmten Ostermärsche wiederbeleben: Für Ostermontag haben Umwelt- und Bürgerverbände zu einem Ostermarsch aufgerufen. Ziel des Protests sind aber keine Waffenarsenale, sondern der geplante Weiterbau der Autobahn 143.

Damit steht der erste Ostermarsch in der Region überhaupt bevor. Zu den Organisatoren zählt der Regionalverband Halle-Saalekreis des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Doch werden mit dem Veranstaltungstitel und dem, wofür er eigentlich steht, nicht zu große Geschütze aufgefahren? Nabu-Mitglied Sebastian Voigt sieht das ganz anders: „Es geht schließlich um den Frieden zwischen Mensch und Natur.“ Mit dem Ostermarsch protestiere man dagegen, dass die A 143 drei Naturschutzgebiete mit seltenen Pflanzen und Tieren tangiere und beeinträchtige.

Früher war es der ewige Streit zwischen Friedensaktivisten und Verfechtern der militärischen Abschreckung. Der Ostermarsch im Saalekreis dagegen ist die Fortsetzung eines seit Jahren andauernden Widerstands der Umweltschützer gegen die A 143. Die Trasse soll die Südharzautobahn 38 mit der A 14 verbinden. Sie ist Teil des Autobahnrings um den Raum Halle-Leipzig. Während die A 143 zwischen dem Autobahndreieck Halle-Süd und der B 80 bei Bennstedt längst fertig ist, hatte der Nabu für den 22 Kilometer langen Restabschnitt 2007 beim Bundesverwaltungsgericht einen Baustopp erwirkt.

Mit dem Ostermarsch geht der Kampf nun in die nächste Runde. Denn während das Bauministerium mit einer Baugenehmigung in diesem Jahr rechnet, wollen die Umweltschützer diese mit allen Mitteln verhindern. Doch trotz des großen Titels kann Voigt nicht einschätzen, mit wie vielen Teilnehmen beim Ostermarsch zu rechnen ist. „Wir haben bisher wenige Rückmeldungen.“ Treffpunkt ist Ostermontag um 10.30 Uhr an der Fähre Brachwitz. Dann wandern die Autobahngegner nach Friedrichsschwerz. „Dort wollen wir an der geplanten Trasse Obstbäume als Zeichen gegen die Naturzerstörung pflanzen“, so Voigt. Weiter führt die Wanderung durch das Schutzgebiet „Porphyrlandschaft bei Gimritz“ und nach Gimritz.

Das Schließen des Autobahnrings wird indes von vielen Einwohnern, Politikern und Wirtschaftsvertretern gefordert. Wann der 150 Millionen Euro teure Bau, zu dem eine moderne verglaste Saalebrücke bei Schiepzig gehört, fortgesetzt werden kann, ist unklar. Für die vom Bundesverwaltungsgericht geforderten Nachbesserungen am Projekt läuft das Genehmigungsverfahren. Die Umweltschützer bleiben aber kampfbereit: „Wir werden wahrscheinlich weiter klagen“, sagte Voigt.

Advertisements




Ostermarsch gegen die A 143 (Westumfahrung Halle)

5 04 2011

am Ostermontag, dem 25. April 2011
Start: 10:30 Uhr an der Saalefähre Brachwitz

Mit diesem Ostermarsch wollen wir einen Frühlingsausflug in die Porphyr­land­schaft nordwestlich von Halle verbinden mit dem Protest gegen die geplante Zerschneidung dieser Landschaft durch eine Autobahn. Wir wollen ein Zeichen setzen für den Schutz des Unteren Saaletals, für den Erhalt seiner Artenvielfalt, für ein Naherholungsgebiet ohne Lärm und Gestank, für einen der letzten Flecken un-verbauter Natur um Halle.

Der Ostermarsch startet am 25.4. um 10:30 in Brachwitz (Fähre) und führt über Friedrichs­schwerz und durch die Porphyrkuppen nach Gimritz. Die Wanderung dauert ca. 3 Stunden.

Über Ihre Teilnahme am Ostermarsch würden wir uns sehr freuen, und wir möchten Sie zugleich bitten, diese Einladung zum Ostermarsch auch in Ihrem Umfeld noch weiter zu verbreiten.

Weitere Informationen zum geplanten Ostermarsch und zur A 143 finden Sie im beigefügten Flugblatt und auf www.nabu-halle.de

flyer





Geburtenzahl sinkt wieder

15 12 2010

Weniger Geburten weist das Statistische Jahrbuch für 2009 aus. Wegen der aufwendigen Erstellung gibt es das stets Ende des Folgejahres.

MZ 15.12.10

VON ANTONIE STÄDTER

Dass die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt schrumpft, ist zwar bekannt. Doch diese Zahl, die Innenminister Holger Hövelmann (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Statistischen Jahrbuches für 2009 nannte, hat es in sich: Seit 1990 habe das Land mehr als eine halbe Million seiner Einwohner verloren – das entspricht der heutigen Einwohnerzahl von Halle, Magdeburg, Wittenberg und Burg zusammen. Zwar hat sich der Rückgang voriges Jahr leicht verlangsamt, wie er sagte – „aber das ist nicht wirklich beruhigend“. Ende 2009 lebten im Land mit 2 356 219 Personen rund 25 600 weniger Menschen als 2008. Kleiner Lichtblick: Für 2010 wird der geringste Bevölkerungsrückgang der vergangenen fünf, eventuell sogar der vergangenen 13 Jahre erwartet.

Neben der Abwanderung ist vor allem das Geburtendefizit Ursache für den Rückgang. Auch da gibt es keine guten Nachrichten: Der Zuwachs der Geburtenzahlen aus den vergangenen Jahren setzt sich nicht fort. Mit 17 144 Kindern kamen vergangenes Jahr rund 550 Kinder weniger zur Welt als 2008. Und der Trend hält an: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden 436 Kinder weniger geboren als im Vorjahreszeitraum.

Über diese Entwicklung dürften sich die Hallenser ärgern: Magdeburg wird Halle voraussichtlich Mitte 2011 als einwohnerreichste Stadt Sachsen-Anhalts ablösen, prognostizierte der Präsident des Statistischen Landesamtes, Manfred Scherschinski. Das hänge aber noch von verschiedenen Faktoren wie Abwanderung oder Umzügen von Studenten ab.





Schöner leben ohne Autos

23 09 2010

22.09.2010: Jedes Jahr am 22. September setzen auf der ganzen Welt AktivistInnen ein Zeichen für autofreie Städte. Auch die GRÜNE JUGEND ist dabei. Der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND erklärt dazu:

„Wir fordern autofreie Innenstädte und streiten langfristig für das Verbot des motorisierten Individualverkehrs. Autos sind gefährlich, laut und stinken. Sie verursachen große Umweltverschmutzung: Der Straßenbau zerstört Lebensräume, allein der Verkehr ist für 17% des CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Es ist an der Zeit, die Versprechen und Ziele im Klimaschutz auf die Verkehrspolitik herunterzubrechen. Statt Milliarden in den Straßenbau und kostspielige Prestigeprojekte zu stecken, müssen endlich sinnvolle und günstige öffentliche Alternativen zum Autoverkehr geschaffen werden.

Wir wissen: Ohne Autos könnten wir schöner leben. Insbesondere in den Städten beschränken sie die selbstständige Mobilität von Kindern und Menschen mit Behinderung. Sie besetzen den öffentlichen Raum und degradieren ihn zum Verkehrsweg. Wir wollen die Autos zurückdrängen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.“

Bei Rückfragen:
GRÜNE JUGEND Bundesgeschäftsstelle – 030 / 275 940 95

(http://www.gruene-jugend.de/show/743895.html)





Saale-Kanal wird weitergeplant

19 08 2010

Im nächsten Jahr findet ein Scoping-Treffen zur Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens statt

Halle-Forum 19.08.2010

Die Planungen für den Saalekanal bei Tornitz gehen weiter. In Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens wird die Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Magdeburg (WSD Ost) einen so genannten Scopingtermin Anfang kommenden Jahres durchführen. Behörden und Umweltverbände treffen sich hier, um über weitere noch notwendige Untersuchungen zu beraten, zum Beispiel zum Umweltschutz und zur Wirtschaftlichkeit.

Kritik kommt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer knicke vor der Kanalbaulobby ein, so der BUND-Vertreter Ernst Paul Dörfler. Er missachte die Grundregeln solider Haushaltspolitik. “Obwohl sich die Kosten für den Kanalbau nach Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums von 80 auf 100 bis 150 Millionen Euro nahezu verdoppeln könnten, wird die Planung ohne neue Nutzen-Kosten-Analyse und damit ohne Nachweis einer Wirtschaftlichkeit vorangetrieben. Damit verstößt Ramsauer gegen alle Regeln, die als Voraussetzungen für neue Verkehrsprojekte den Nachweis ihrer Wirtschaftlichkeit vorschreiben.“ Ramsauer selbst habe angekündigt, nur Verkehrsprojekte mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von größer als 4:1 umzusetzen. Dies sei beim Kanal eindeutig nicht der Fall. Durch PLANCO ist ein Nutzen/ Kosten-Verhältnis von 2,34 bestätigt worden. Das bedeutet: 1 Euro Investition erwirtschaftet 2,34 Euro für die Volkswirtschaft. Doch geht dieses Gutachten noch von Baukosten von 80 Millionen Euro aus. Nun wird es deutlich teurer.

Kritik an der Kritik kommt von den Kanal-Befürwortern. “Einwände gegen das Raumordnungsverfahrens inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung waren in den öffentliche Diskussionen von Umweltschützern nicht zu hören”, so Manfred Sprinzek, Präsident vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt e.V. “Dagegen kommen jetzt vom Umweltschutzverband BUND ausschließlich ökonomische Bedenken.” Und die teilt Sprinzek nicht. Denn im damals erstellten Gutachten werde von Transportpotenzialen für die Saaleschifffahrt in Höhe von 1,5 Mio Tonnen pro Jahr gerechnet. Der VHdS hingegen habe durch eigene Umfragen ein Potenzial von jährlich rund 2,55 Mio. t Schiffstransporten über die Saale ermittelt, was über 100.000 LKW-Ladungen entsprechen würde. “Mit der Anbindung an das europäische Wasserstraßennetz kann der Hafen Halle endlich seiner eigentlichen Bestimmung gerecht werden und die Unternehmen an der Saale können durch die Nutzung von umweltfreundlichen Schiffstransporten die Transportkosten senken und so die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte besser sichern”, so Sprinzek.





Bündnis sieht Gefahr für Flusslandschaft.

2 08 2010

Umweltschützer kritisieren Kanalprojekt

MZ 2.8.2010

BARBY/DPA – Die Aktionsgemeinschaft Elbe-Saale hat den Bund und das Land Sachsen-Anhalt erneut aufgefordert, auf den geplanten Elbe-Saale-Kanal zu verzichten. „Wir bezweifeln, dass das Vorhaben wirtschaftlich ist“, sagte die Sprecherin der Vereinigung Jutta Röseler am Samstag zum Abschluss des Elbe-Saale-Camps bei Barby (Salzland) an der Elbe. Bereits am Freitag hatten die Umweltschützer vor der Staatskanzlei, am Wasserstraßenneubauamt und bei Ministerien in Magdeburg mit Plakaten gegen das Projekt protestiert.

„Sollte der Kanal gebaut werden, würden erst wertvolle Flusslandschaften an der Saale zerstört“, sagte Röseler. Danach sei der Schifffahrtsdruck auf die Elbe so groß, dass auch dort über Kanalisierung nachgedacht werde, was dann den nächsten naturbelassenen Flusslauf gefährden würde.

Der Kanal, für den das Planfeststellungsverfahren vom Bund noch nicht eröffnet wurde, soll laut Röseler deutlich teurer und länger als bisher angegeben werden. Das Raumordnungsverfahren habe vier Varianten geprüft und eine über zehn Kilometer Länge von Calbe bis zur Elbe favorisiert. Bisher sei von 7,5 Kilometer Länge ausgegangen worden. „So würde der Ausbau statt 80 Millionen Euro, wie bisher angegeben, 100 bis 150 Millionen Euro kosten.“

Bund und Land erhoffen sich bisher von dem Kanalbau einen stärkeren Gütertransport ganzjährig bis Halle, zumal ein Kanal zahlreiche Windungen vor der Mündung der Saale in die Elbe überwinden würde. Das Aktionsbündnis hält dagegen, dass die Saale bereits ganzjährig schiffbar sei und die zusätzlichen Güter auch per Schiene befördert werden könnten.





Bevölkerungsschwund: Jeder Vierte verlässt das Mansfelder Land

8 07 2010

MZ 08.07.10

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes wird die Zahl der Einwohner in Sachsen-Anhalt zwischen 2008 und 2025 um mehr als 18 Prozent sinken. Damit nimmt die Bevölkerung von 2,4 Millionen auf 1,9 Millionen Menschen ab.

Die stärksten Rückgänge wird es nach der Prognose in den Kreisen Mansfeld-Südharz (-27,7 Prozent), Salzland (-23,7 Prozent) sowie im Kreis Wittenberg (-23,3 Prozent) geben. Mit 225 000 Einwohnern (-1,9 Prozent) wird die Landeshauptstadt Magdeburg 2025 auch die größte Stadt sein und vor Halle mit 209 000 Einwohnern (-10 Prozent) liegen. Noch stärkere Veränderungen werden in Dessau-Roßlau erwartet. Dort soll die Einwohnerzahl sogar um 21,1 Prozent auf dann 70 000 zurückgehen.

Der Trend für das Land hat sich in den Vorjahren schon abgezeichnet. Die Bevölkerung schrumpfte von 2008 bis 2009 um 25 600 Personen – das entspricht einem Rückgang von 1,1 Prozent. Hauptgründe sind Wanderungsverluste und das Geburtendefizit. So verließen mehr Menschen das Land als herzogen. Zudem setzte sich der Trend steigender Geburtszahlen nicht fort.

Doch warum verlassen die Menschen das Land? Was kann dagegen getan werden? Die MZ befragte die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2011, Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU), Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) sowie die beiden Fraktionschefs Wulf Gallert (Linke) und Veit Wolpert (FDP).