»Mit Kat in den Kollaps«

»Jedes Jahr wächst die Zahl der Autos in Deutschland um eine halbe Million, mit gravierenden Folgen für die Lebensqualität. Auch saubere Diesel helfen da wenig. Lösungen müssten schon radikaler sein«

»Schon seltsam: Jedes Jahr kommen hierzulande etwa 500 000 zusätzliche Autos auf die Straße. Immer mehr Lastwagen sind auf den Autobahnen unterwegs, weil Menschen sich jede Kleinigkeit nach Hause liefern lassen oder Unternehmen auf Lagerhallen verzichten: Die Teile kommen jetzt just in time. Doch während sich die Zahl der jährlichen Staus seit 2011 auf 723 000 vervierfacht hat, verhandelt die Bundesregierung in diesen Tagen nicht über weniger Straßenverkehr, sondern vor allem darüber, wie sich schmutzige Diesel-Autos in sauberere verwandeln lassen.«

»Bisher aber hat das Auto verkehrspolitisch weiter Vorfahrt. Für den Lkw-Transport auf Autobahn und Bundesstraßen etwa wird eine Maut fällig. Doch die ist so niedrig, dass der Güterverkehr der Bahn nicht mithalten kann. Die wachsende Zahl kleiner Transporter ist ohnehin von der Maut ausgenommen. Autofahrer kommen in den Genuss von steuervergünstigten Dienstwagen, Pendlerpauschalen und verbilligtem Diesel.«

»Die Folgen zeigen sich nicht nur in schlechter Stadtluft und langen Staus. Sie vermiesen auch die deutsche Klimabilanz. Überall nahmen die klimaschädlichen Emissionen seit 1990 ab, bei der Industrie, in Kraftwerken, privaten Haushalten. Auf den Straßen aber nahmen sie zu.«

(Süddeutsche Zeitung, 28. September 2018, Photo by g shan on Unsplash)

Advertisements