Weniger Autos unterwegs

5 07 2013

MZ, 28. Juni 2013

Autor: Hendrik Kranert-Rydzy

Zahlen in Sachsen-Anhalt gehen zurück. Streit um Autobahnbau

MAGDEBURG/MZ – In Sachsen-Anhalt wird weniger Auto gefahren: Im vergangenen Jahr sank die Zahl aller Fahrzeuge auf den Autobahnen, Bundes- und Landstraßen gegenüber 2011 um 2,5 Prozent; beim Schwerlastverkehr waren es 2,2 Prozent weniger. Dies geht aus Langzeiterhebungen des Landesverkehrsministeriums an über 100 Zählstellen hervor.

Besonders auffällig ist der Rückgang auf jenen Strecken, wo das Verkehrsaufkommen bislang als Begründung für Neubauprojekte dient – etwa der Westumfahrung Halle (A 143) und der Nordverlängerung der A 14 von Magdeburg nach Schwerin. So ist der Verkehr auf der A 14 bei Könnern um 4,8 Prozent gesunken; auf der B 189 bei Colbitz um 3,3 und bei Stendal um 3,5 Prozent.

Die Rückschlüsse sind unterschiedlich: Während die Grünen im Landtag die Landesregierung auffordern, die von ihnen ohnehin kritisierten Neubauprojekte zu stoppen, will das Landesverkehrsministerium aus den Zahlen keinen langfristigen Trend ablesen und hält an den Vorhaben fest.

„Im Prinzip steht vor den Werten aller bedeutsamen Straßen im Land ein negatives Vorzeichen“, sagt der bündnisgrüne Verkehrsexperte Christoph Erdmenger, der die Zahlen sämtlicher Zählstellen ausgewertet und den landesweiten Durchschnitt daraus errechnet hat. Bedeutsam sei aber vor allem der Rückgang auf der A 14 für die geplante Fertigstellung der A 143 und der Verkehr auf der B 189 für die bereits zum Teil im Bau befindliche Nordverlängerung der A 14. „Die Begründungen für diese Neubau-Vorhaben sind damit nicht mehr haltbar“, sagte Erdmenger, stattdessen sollte sich die Landesregierung auf den Bau von nötigen Ortsumgehungen konzentrieren.

Erdmenger zufolge handele es sich nicht um eine Momentaufnahme, sondern eine inzwischen langfristige Entwicklung seit 2009, die der sinkenden Einwohnerzahl im Land und den hohen Ölpreisen geschuldet sei. „Die Entwicklung widerspricht ganz klar der These der Regierung, wonach trotz sinkender Bevölkerungszahlen der Straßenverkehr zunimmt“, sagte Erdmenger. 2012 sei ein „ganz normales Jahr ohne extreme Einflüsse auf den Straßenverkehr“ gewesen.

Das Verkehrsministerium hingegen sieht dies völlig anders: So sei der „Sonderfaktor Wirtschaftskrise“ und dessen Auswirkungen nach wie vor spürbar, vor allem im Schwerlastverkehr, sagte Sprecher Bernd Kaufholz. Erdmengers Einschätzung teilt man nicht: „Es kann derzeit kein Trend abgeleitet werden“, sagte Kaufholz. Viele Faktoren wirkten sich auf die Zu- oder Abnahme von Verkehrsströmen erst langfristig aus.

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