Saalekanal: Skepsis wächst auch bei den Befürwortern

16 05 2010

MZ 28.05.10

„Da vorn links am Gebüsch, da soll der Kanal beginnen.“ Henrik Täger, Chef des Wasserstraßenneubauamtes in Magdeburg, zeigt den Passagieren der MS Werben jene Stelle, wo das derzeit wohl umstrittenste Bauwerk Sachsen-Anhalts einen Anfang nehmen soll – der Saalekanal bei Tornitz im Salzlandkreis. Er soll die Schiffbarkeit des Flusses deutlich verbessern – doch Umweltverbände halten den Kanal ökologisch wie ökonomisch für unsinnig.

„Das Projekt wackelt“

Die FDP-Landtagsfraktion hat die Tour organisiert, mit an Bord sind Unternehmer der Region. FDP-Wirtschaftsexperte Uwe Schrader weiß, dass es jetzt um alles geht: „Das Projekt wackelt“, sagt er. Das ist noch untertrieben. „Im Bundesverkehrsministerium tobt ein Kampf um das wenige Geld“, sagt Friedrich Koop, Chef der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Ein Kampf, den Sachsen-Anhalt zu verlieren droht.

Das Projekt ist mit 100 Millionen Euro zwar vergleichsweise günstig, doch es gebe Projekte, die eine höhere Wirtschaftlichkeit vorweisen, so Koop. Und sich auf eine größere Lobby stützen können. Die Vertiefung der Elbe in Hamburg beispielsweise, die für die Wirtschaft der Hansestadt von existenzieller Bedeutung ist, sagt Koop. Oder die zweite Moselschleuse. Oder die bereits x-mal verschobene Erneuerung der alten Schleusen am Neckar. Der Bernburger Solvay-Werksleiter Thomas Müller machte unterdessen noch einmal deutlich, wie wichtig der Kanal für die Industrieanrainer sei: „Wir wollen ungefähr die Hälfte unserer Jahresproduktion von 540 000 Tonnen Soda per Schiff transportieren.“ Damit könne man deutlich günstiger und wieder konkurrenzfähig an Glashersteller im Landesnorden liefern. Im vergangenen Jahr hatte Solvay dort einen Großauftrag an einen Hersteller aus den USA verloren. Der transportiert Soda billiger per Schiff bis Haldensleben.

„Nicht übermäßig optimistisch“

Koop ist jedoch skeptisch, ob solche Argumente in Berlin ausreichen: „Ich bin nicht übermäßig optimistisch, dass eine positive Entscheidung für den Saalekanal fällt.“ Würde nur das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Saalekanals zu Grunde gelegt, „wird es sehr schwierig“, so Koop. Das Bundesverkehrsministerium hat den Start für den Bau des etwa zehn Kilometer langen Kanals nötigen Planfeststellungsverfahrens bereits mehrfach verschoben. Jetzt soll Ende Juni einen Entscheidung fallen.

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