Elbe-Ausbau: Alarmsignale für den Fluss

3 02 2010

MZ 03.02.10

Autor: HENDRIK KRANERT

Der geplante Ausbau der Elbe gefährdet nach Ansicht des halleschen Professors Hans-Ulrich Zabel 20000 Arbeitsplätze in der Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt. Zudem geht Zabel davon aus, dass eine ganzjährig nutzbare Fahrrinne von 1,65 Tiefe extreme ökologische Schäden in Höhe von 86 Milliarden Euro zur Folge hätte.

Durchgängig 1,60 Meter?

Am vergangenen Wochenende hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), erklärt, dass bis Ende 2010 die Elbe durchgängig an 345 eisfreien Tagen pro Jahr eine Wassertiefe von 1,60 Meter und mehr aufweisen werde. Sowohl Zabel als auch der Leiter des Elbeprojektes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ernst Paul Dörfler, kritisierten dies als versteckten und illegalen Ausbau der Elbe entgegen aller Beteuerungen, dass am Fluss nur Unterhaltungsmaßnahmen stattfinden würden, um diesen in den Zustand vor dem Hochwasser von 2002 zu versetzen. „Auch vor dem Hochwasser 2002 hatte der Fluss nicht ganzjährige eine Wassertiefe von 1,60 Meter“, sagte Dörfler.

Zudem ist nach Auffassung Zabels „der Ausbau der Elbe ökonomisch wie ökologisch absurd“. Der Wirtschaftswissenschaftler der Uni Halle legte dazu am Mittwoch eine Studie mit dem Titel „Nachhaltige Nutzung der Elberegion“ vor. Zabel erklärte, dass der Ausbau der Elbe eklatant gegen europäische Gesetze verstoße: Zum einen gegen die Wasserrahmenrichtlinie, die eine Verschlechterung des ökologischen Zustandes eines Flusses verbiete. Zum anderen gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH), wonach mindestens zehn Prozent der Flächen eines Landes unter Naturschutz zu stellen seien. „Die Erhaltung von Tal-Auen entlang großer Flüsse ist dabei von existenzieller Bedeutung“, so Zabel.

Die ökologischen Folgekosten eines Elbe-Ausbaus seien zudem ungleich höher als ein möglicher Nutzen: Zabel bezifferte den Nutzen auf 4,6 Millionen Euro und legt dabei die Tonnage-Prognose der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost zugrunde. Dem gegenüber stünde ein Schaden für die Umwelt von 86Milliarden Euro – und zwar pro Jahr. Die immense Summe ergebe sich durch den Wegfall des Kohlendioxid-Speichervermögens der Auenwälder. Dabei geht Zabel davon aus, dass ein Hektar Wald 14 Tonnen Kohlendioxid speichern kann. Eine Tonne des klimaschädigenden Gases hat dabei einen Wert von 70 Euro. Zabel bezeichnet die Schifffahrt auf der Elbe bereits jetzt als „ökonomisch bedeutungslos“. Nur 0,2 Prozent aller Gütertransporte der Region würden auf dem Fluss befördert. 2008 sank die Tonnage mit 700000 Tonnen auf einen Tiefststand, für 2009 wird infolge der besserer Wasserstände eine leichte Erholung erwartet.

Immer seltener schiffbar

Dennoch geht Zabel davon aus, dass die Elbe künftig immer seltener schiffbar sein wird. Grund sei der Klimawandel, der gerade im Sommer für immer ausgedehntere Niedrigwasser-Perioden sorgen werde. Zu nahezu gleich lautenden Erkenntnissen war auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gekommen, welches im Auftrag des sachsen-anhaltischen Umweltministeriums ein Studie zu Folgen des Klimawandels in Sachsen-Anhalt vorgelegt hatte (die MZ berichtete). Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) wollte sich am Mittwoch nicht zu Folgen eines Elbe-Ausbaus auf die Ökologie der Flusslandschaft äußern.

Während Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) Zabels Berechnungen in Frage stellte, sehen sich Sachsen-Anhalts Grüne in ihrer Kritik am Elbe-Ausbau und an den Pläne für einen Saalekanal bestätigt: „Zabel untermauerte mit seiner Analyse, wie schädlich und unsinnig der Ausbau ist“, sagte Landesvorsitzende Claudia Dalbert. Sie forderte Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) auf, die Elbe zur Chefsache zu machen.

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