Demografie: Sachsen-Anhalt wird Europas Altenheim

22 01 2010

MZ 22.01.10

Sachsen-Anhalts Bevölkerung wird in 20 Jahren die älteste in ganz Europa sein. So wird der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren von heute 24,2 auf 36 Prozent im Jahr 2030 steigen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Europäischen Statistikamtes Eurostat. Untersucht wurden 281 Regionen der 27 Mitgliedsstaaten.

Die Brüsseler Statistiker kommen zu dem Schluss, dass Deutschland am stärksten unter den Folgen der Landflucht und der Alterung leiden wird, wie kein anderes Land der EU. Der Osten der Republik ist dabei besonders betroffen: So steigt in Leipzig der Anteil der Senioren von derzeit 23,2 auf 30,3 Prozent. Thüringen muss sich auf einen Zuwachs von 23,1 auf 35,6 Prozent einstellen. Die älteste Stadt der EU wird in 20 Jahren übrigens Chemnitz sein. Dort leben derzeit 25,9Prozent über 65-Jährige, bis 2030 steigt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 37,3 Prozent.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte, die Ergebnisse seien zwar nicht neu. „Aber wir müssen die Prognosen ernst nehmen, weil sie auf exakten Berechnung beruhen und Änderungen nur langfristig möglich sind.“ Böhmer erklärte, die Regierung arbeite seit längerem an entsprechenden Strategien, um das Problem zu mildern. Dazu gehörten Maßnahmen besonders im Betreuungs- und Wohnumfeldbereich. „Gebraucht werden aber auch Strategien, um durch Zuzug junger Menschen und mehr Familiengründungen hier im Land der Entwicklung gegenzusteuern.“

Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) äußerte sich ähnlich. Neben der Unterstützung, die das Land Älteren im Ehrenamt oder bei sozialen Kontakten zu Teil werden lassen müsse, sei vor allem wichtig, das Land für junge Leute und Familien attraktiv zu machen: „Die entsprechende soziale Infrastruktur haben wir, was fehlt, sind Arbeitsplätze.“ Er wolle sich daher dafür einsetzen, dass vermehrt neue Jobs für Alleinerziehende und Familien geschaffen und gefördert werden.

Parallel zum Anwachsen des Anteils der älteren Menschen werden viele Großstädte in Europa immer jünger – mit unterschiedlichen Folgen: So müssen in zwei Jahrzehnten 100 Arbeitnehmer in Chemnitz für 70,2 Pensionäre aufkommen, in London werden 100 Beschäftigte nur die Sicherung für 14,8Rentner aufzubringen haben. Einen kleinen Lichtblick gibt es dennoch. Denn überraschenderweise wächst die europäische Gesamtbevölkerung wieder. Zum Jahreswechsel lebten 501,26 Millionen Einwohner, ein Jahr zuvor waren es noch 499,7 Millionen.

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