Wird Zählung nochmals ausgewertet?

14 12 2009

MZ 12.12.09

Hochstraße: Abrissbefürworter zweifeln Aussagen zum Durchgangsverkehr an

Autor: Michael Tempel

Die elektronische Verkehrszählung in Halle, bei der im Mai 92 000 Fahrzeuge erfasst worden waren, schien Geschichte zu sein. Für die Bürgerinitiative Hochstraße (BI) ist sie längst nicht abgehakt: Wie BI-Sprecher Hans-Georg Ungefug sagte, fordere man eine erneute Auswertung der Daten.

15 127 Autos auf der Trasse

Die BI macht sich für einen Abriss der Hochstraße stark. Und die Verkehrszählung vom 6. Mai sollte insbesondere Aussagen zur Inanspruchnahme der Trasse liefern: So wurden an jenem Tag 15 127 Autos gezählt, die die Hochstraße passierten. Laut Verwaltung waren darunter aber nur 1 690 Fahrzeuge (11,17 Prozent), die dem Durchgangsverkehr zuzurechnen seien. Gerade aber ein hohes Transit-Aufkommen gilt als Kriterium dafür, ob die Hochstraße entbehrlich ist. So könnten überregionale Verkehrsströme – etwa über die geplante Westumfahrung Halles (A 143) – umgeleitet und die Frequentierung der Hochstraße verringert werden. Gegner eines Hochstraßen-Abrisses sehen die BI nun in Argumentationsnot. Ungefug aber zweifelt die Interpretation der Stadt an. So hatte das Rathaus all jene Autos, die innerhalb von bis zu 25 Minuten auf der B 80 in die Stadt ein- und via Hochstraße und B 100 wieder herausgefahren sind, dem Durchgangsverkehr zugeordnet. „Das ist eine völlig willkürlich gewählte Zeitspanne“, kritisierte Ungefug. „Eine Durchfahrt durch Halle kann doch bis zu 60 Minuten dauern.“ Deshalb will die BI durchsetzen, dass der Kreis der zum Durchgangsverkehr gezählten Fahrzeuge erweitert und die Zählung neu ausgewertet wird.

„Kaum Unterschiede“

Verkehrsplaner Rainer Möbius, der die 25-Minuten-Grenze als realistisch verteidigte, hält das für überflüssig. „Die Ergebnisse würden sich kaum ändern“, sagte er. Für den Planungsausschuss habe man die von der BI geforderte Berechnung bereits vorgenommen. Demnach seien über die Hochstraße 2 139 Fahrzeuge (14,14 Prozent) gerollt, die die Stadt innerhalb von bis zu 60 Minuten durchquert hatten. „Zwischen 14,14 und 11,17 Prozent besteht kein großer Unterschied“, so Möbius.

Erhebung
Kritik-Liste vom Datenschützer

Bei der Verkehrszählung im Mai waren per Kamera die Autokennzeichen erfasst und für eine anonymisierte Verarbeitung codiert worden. Nach einer Auswertung der Aktion hat der Landes-Datenschutzbeauftragte, Harald von Bose, nach eigenen Angaben der Stadt nun eine Kritik-Liste vorgelegt: So habe er in einem Brief an die Rathausspitze moniert, dass die beauftragte Firma nur unzureichend auf ihre Eignung geprüft worden sei. Stattdessen habe man sich auf Referenzen verlassen. Zudem habe die Stadt von Bose im Vorfeld nicht einbezogen und kein eigenes Konzept für die Umsetzung des Datenschutzes gehabt. Dennoch sehe er von einer Beanstandung ab, weil die Zählung letztlich ordnungsgemäß verlaufen sei. Trotz mehrfacher Anfragen gab es von der Stadt dazu keine Stellungnahme.

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