Hochstraße – Teilabriss in fünf Jahren?

16 11 2009

MZ 16.11.09

Bau-Dezernent Pohlack kündigt an, die Verwaltung prüfe intensiv, ob das Brücken-Bauwerk auf der Seite der Franckeschen Stiftungen verzichtbar ist.

Autor: Peter Godazgar

HALLE/MZ. Die Beteiligten sparten nicht mit großen Worten. Eine „Sensation“ sei da verkündet, gar eine „Bombe gezündet“ worden. In der Tat gipfelte die öffentliche Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Hochstraße am Samstag in einer faustdicken Überraschung: Bau-Dezernent Thomas Pohlack nämlich kündigte an, die Verwaltung wolle intensiv untersuchen, ob nicht schon in absehbarer Zeit zumindest auf den südlichen Baukörper der Hochstraße (jenen also, der an den Franckeschen Stiftungen vorbeiführt) verzichtet werden kann.

Und Pohlack setzt selbst ein ehrgeiziges Ziel, was den Zeitraum betrifft: In den kommenden fünf Jahren müsse das Konzept dazu stehen. So lange habe man nämlich nur noch Zeit, bis die Frage der Sanierung der Brücken wirklich drängend wird.

Verbindung nach Neustadt

Da machten die übrigen Anwesenden große Augen – und bei manchen war die Freude unübersehbar. Das sei „mehr als er erhofft habe“, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative Hochstraße, Jens-Holger Göttner, jenem Verein, der intensiv dabei ist, Alternativen zur Hochstraße zu entwickeln.

Tatsächlich hatte die Verwaltung bislang immer darauf gepocht, die Hochstraße sei unverzichtbar. Besondere Betonung legte Dezernent Pohlack aber auch auf die Verbindung nach Neustadt. Bei den dortigen Bewohner gebe es die – verständliche – Sorge, die Verbindung zwischen Halle und Neustadt könne gekappt werden. Daran aber denke niemand. Die Verbindung dürfe „auf keinen Fall schlechter werden“, sagte Pohlack, der darauf hinwies, dass bereits die aktuellen und zurückliegenden Bestrebungen darauf ausgelegt waren, die Verbindung zu verbessern – Stichwort Straßenbahn-Ausbau: Für die Strecke von der Neustädter Schwimmhalle zum Hauptbahnhof benötigt die Tram keine Viertelstunde mehr.

Pohlacks Grundthesen: Das Verkehrsaufkommen werde in den kommenden Jahren weiter sinken. Und aktuelle Zählungen hätten ergeben, dass die Hochstraße nur zu rund zehn Prozent für den Durchgangsverkehr genutzt wird.

„Befreiungsschlag“ für Stiftungen

„Sehr überrascht“ von Pohlacks Ankündigung zeigte sich der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Thomas Müller-Bahlke. Auf MZ-Nachfrage sprach er von einem „Riesenschritt nach vorn“. Allein der Abriss des südlichen Hochstraßen-Bauwerks wäre „wie ein Befreiungsschlag“.

Um die Skeptiker zu überzeugen, muss freilich noch einiges geschehen. Das zeigte auch eine Abstimmung unter den Anwesenden: 27 waren für den Abriss, 25 sahen ihn als unmöglich an. 13 enthielten sich oder hielten ihn für problematisch.

Kurzmeldung „Sachsen-Anhalt“

Halle prüft Teilabriss der Hochstraße

Die Stadt Halle erwägt einen Teilabriss der Hochstraße. Bau-Dezernent Thomas Pohlackteilte am Samstag auf einer Diskussionsveranstaltung überraschend mit, man prüfe intensiv, ob das südliche Brückenbauwerk (Foto) verzichtbar ist. Rd führt nur wenige Meter an den Franckeschen Stiftungen vorbei. Bei der Bürgerinitiative Hochstraße, die Alternativen zu der Ende der60er Jahre entstandenen Verkehrsader sucht, und den Franckeschen Stiftungen stieß die Ankündigung auf ein positives Echo. „Das ist ein Riesenschritt nach vor“, kommentierte der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Thomas Müller-Bahlke.

Kommentar

Der Anfang vom Ende?

Von Peter Godazgar

Man kann sich fragen, was die Aufregung soll. Die Stadt prüft intensiv, ob eines der Hochstraßen-Bauwerke verzichtbar ist – na und? Prüfen kann man viel. Und vor allem lange. Was soll also daran sensationell sein?

Nun, ein Paukenschlag war die Ankündigung von Bau-Dezernent Thomas Pohlack allein deshalb, weil sie eine Kehrwende der bisherigen offiziellen Verwaltungsmeinung darstellt. Ist dies also quasi der Anfang vom Ende der innerstädtischen Wunde, die zwischen 1968 und 1971 brachial in die Innenstadt geschlagen wurde?

Auch nach Pohlacks Ankündigung hat der Gedanke, die Hochstraße sei vertichtbar, etwas visionäres. Indes: Es muss etwas geschehen, schon allein, weil die Lebensdauer der Bauwerke begrenzt ist. Die Suche nach Alternativen ist so gesehen nicht visionär, sondern schlicht notwendig. – Gut übrigens, dass Dezernent Pohlack gleich betonte, die Verbindung nach Neustadt habe auch weiterhin oberste Priorität. In jedem Fall muss der Eindruck vermieden werden, hier solle ein Stadtteil abgekoppelt werden.

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